Verantwortung endet nicht bei uns selbst
„Mit großer Macht kommt große Verantwortung.“ Ich glaube, diesen Satz hat schon so gut wie jeder einmal gehört. Bisher war ich davon eigentlich überzeugt – bis mir jemand begegnet ist, der das komplett anders sieht. Und heute will ich euch in meine Gedanken dazu mitnehmen. Ich glaube nämlich, dass beide Sichtweisen zu kurz gedacht sind. Je mehr Einfluss ein Mensch hat, desto schwieriger wird die Frage nach Verantwortung.
Von Sims und Verantwortung
Ich glaube in erster Linie muss klar sein, worum es eigentlich genau geht. Wofür übernehme ich Verantwortung? Mich, meine Familie, meine Freunde, die Welt? Ich denke, es lohnt sich hier einmal genauer hinzusehen – denn in erster Linie bin ich für mich verantwortlich. Was heißt das konkret? Stell dir vor du spielst „Sims“ und du bist eine Figur in Sims namens Alex. Du hast in diesem Spiel eigene Wünsche und Bedürfnisse. Kümmerst du dich nicht um Alex – dann geht es der Figur nicht gut und im schlimmsten Fall stirbt sie.
Doch damit hört Verantwortung nicht auf – denn das ist eigentlich nur die Basis, quasi die Mindestanforderung. In unserem Spiel ist Alex nun nicht alleine. Alex hat eine Katze. Jetzt ist diese Figur also nicht mehr nur für sich verantwortlich, sondern auch für ihre Katze. Die Katze will Liebe, Futter und ein sauberes Klo. Nehmen wir an, Alex hat einen Partner bzw. eine Partnerin namens Robin. Robin ist selbst für seine/ihre Wünsche und Bedürfnisse verantwortlich, aber weil sie ihr Leben teilen und auch ihren Wohnraum, sind sie nun gemeinsam dafür verantwortlich. Sie teilen sich die Aufgaben im Haushalt und auch die Kosten. Alex und Robin haben nun auch noch ein Kind namens Lou. Lou ist zu klein um Verantwortung zu übernehmen, also müssen Alex und Robin sich gemeinsam um Lou und dessen Wünsche und Grundbedürfnisse kümmern.
Wenn Verantwortung komplexer wird
Und jetzt wird es komplex. Wir haben nämlich nicht nur Grundbedürfnisse, sondern auch weitere Bedürfnisse. Während Sicherheit für alle gleich wichtig ist, braucht der eine Freiheit und der andere Nähe. Beides ist wichtig und nun muss sich im Alltag ein Weg finden, das unter einen Hut zu bringen. Denn wenn Alex z.B. Freiheit will und daher keine Zeit mit Robin verbringt, dann wird Robin sich nicht gut fühlen, denn sie will ja Nähe. Wer von beiden ist jetzt verantwortlich? Meiner Meinung nach – beide. Sie müssen gemeinsam einen Weg finden, wie sowohl Robin als auch Alex glücklich sein können – oder überlegen, ob sie sich trennen.
Verantwortung endet aber nicht im Privaten. Besonders spannend wird es nämlich da, wo Menschen andere Menschen erreichen. Darum gehen wir noch einen Schritt weiter – denn Robin hat eine Firma. Auf dem Social Media Account von dieser Firma teilt Robin nun Gedanken zu verschiedenen Themen. Unter anderem wird dort etwas geteilt, was umstritten ist. Jetzt stellt sich wieder die Frage – wer ist wofür verantwortlich? Ich bin wieder der Meinung – beide Seiten. Sowohl Robin bzw. die Firma als auch die Kunden. Robin kann durchaus umstrittene Dinge teilen, muss sich aber bewusst sein, was daraus entstehen kann. Welche Themen diskutiert werden, was für Folgen das haben kann, etc. Gleichzeitig sind auch die Kunden in Verantwortung – denn nur weil die Firma etwas teilt, müssen die Kunden das nicht glauben.
Die goldene Mitte
Worauf ich hinaus will ist – beide Seiten haben Unrecht. Nur weil ich große Macht habe, bin ich nicht automatisch verantwortlich. Ich muss nicht springen, nur weil ich es kann. Ich muss nicht aufklären, nur weil ich es weiß. Ich darf wählen, wo ich meine Energie reinstecke. Gleichzeitig bin ich dafür verantwortlich, was ich tue und wie. Ich kann z.B. nicht vor riesigen Followerzahlen Dinge behaupten, die nicht stimmen und dann sagen „ist nicht meine Verantwortung“. Es ist meine Verantwortung vorher zu recherchieren und nicht zu machen was mir gerade in den Sinn kommt.
Verantwortlich bin ich also für mich und meine Bedürfnisse sowie für die Momente, wo mein Handeln oder meine Worte die Realität anderer berühren.
Da, wo ich nicht nur mein eigenes Leben beeinflusse, habe ich eine Verantwortung – und zwar nicht für den anderen, sondern für meinen Einfluss auf den gemeinsamen Raum.
Mein Fazit
Ich bin dafür verantwortlich, dass ich meine Worte bewusst wähle und mir Gedanken darüber mache, welche Wirkung sie haben können. Außerdem sollte ich meine Informationen prüfen oder sie so formulieren, dass klar ist, dass es meine Meinung ist und keine absolute Wahrheit. Ich finde auch, dass es wichtig ist, sich bewusst zu machen, welche Art von Raum ich öffne oder welche Art von Menschen ich gerade einlade. Man kann über alles reden oder philosophieren und ich finde es wichtig, auch unangenehme Themen zu hinterfragen oder zu besprechen. Gleichzeitig ist es wichtig, zu schauen, welche Themen damit zusammenhängen – und wen ich dadurch einlade, sich an diesen Gesprächen zu beteiligen. Nicht um Menschen auszuschließen, sondern um gewissen Gedanken und Ansichten keinen Raum zu geben.
Am Ende muss jeder für sich entscheiden, was er oder sie tut oder schreibt. Ich verurteile niemanden dafür, dass er gewisse Dinge anspricht. Gleichzeitig merke ich jedoch, dass das Thema mich bewegt. Denn wer viele Menschen berührt, sollte sich vorher überlegen, welche Dinge ein Teil dieser Berührung werden sollen. Ich glaube, dass dieses Thema noch so viel mehr zu bieten hat und dass ich hier noch weitere Beiträge schreiben werde. Ich möchte darüber gerne mehr philosophieren und vielleicht berührt dieser Beitrag auch dich. Wenn du magst, schreib mir gerne deine Gedanken dazu <3
Vielleicht beschäftigt dich das Thema Verantwortung auch gerade – in Beziehungen, im Alltag oder beruflich. Wenn du das Gefühl hast, dass du hierzu begleitet werden möchtest, melde dich gerne per E-Mail oder Instagram bei mir. Dann schauen wir konkret, welche Themen du aktuell hast und wie ich dich unterstützen kann <3
Foto: Kelly Sikkema / Unsplash


