Über Gott und die Welt
Die letzten Wochen habe ich mich ein wenig mit dem Thema Universum/Liebe/Gott/wie auch immer man es nennen will auseinander gesetzt. Damit es leichter zu lesen ist, nenne ich es Gott, aber es ist jederzeit frei ersetzbar. Ich sage auch nicht, dass es Gott gibt oder dass man an etwas glauben soll. Das hier ist eher meine Beschäftigung zu einer Aussage, die mich beschäftigt.
Ich habe die These gehört, dass Gott nur dann Wunder wirkt, wenn man das Steuer los lässt und nicht zu sehr eingreift. Ich finde dieses Bild auf eine gewisse Art passend und weiß ganz genau was gemeint ist – und doch fühle ich es einfach absolut nicht.
Gott als wertfreie Zone
Für mich ist Gott wertfrei. Da gibt es kein genervtes Augenrollen über die Frau, die schon wieder dem Mann ins Handy guckt. Kein Kopfschütteln, weil der Mann nicht so mutig war und die Frau angesprochen hat. Kein „ich geh dann mal und komm später wieder.“ Für mich ist Gott immer da. In allem was passiert und ohne Bewertung. Denn wenn ich Gott unterstelle, dass er keinen Bock darauf hat, mich zu unterstützen, wenn ich ihm zu anstrengend bin .. dann ist das nicht liebevoll. Wenn wir jetzt wirklich von der These ausgehen, dass Gott Liebe ist und das Universum Liebe ist und wir alle auch Liebe sind. Dann wäre Gott in diesem Beispiel definitiv gerade nicht liebevoll gewesen. Das ist doch nichts anderes als eine Bewertung, wenn er sich erstmal verabschiedet, bis ich wieder so bin, wie er mich haben will. Und ja – ich übertreibe hier bewusst, denn natürlich wurde es nicht genau so erklärt. Aber dieses Bild ensteht in mir, wenn ich die Aussage höre.
Zwischen Willkür und Hoffnung
Und nicht falsch verstehen, ich weiß woher die These kommt und ich fühle es auch so, dass wir mehr loslassen müssen. Nicht im Sinne von – Hände in die Höhe, durchs Leben fließen und wird schon. Sondern im Sinne von – ja, das was gerade passiert oder passiert ist war mies und ich darf alles fühlen, aber und – es hat mich hierher gebracht. Vielleicht hätte es einen besseren Weg gegeben, einen leichteren, einen schöneren .. aber man kann die Vergangenheit nicht ändern. Was war, ist passiert und wir alle können nur lernen, damit zu leben und umzugehen.
Und ja, ich sehe die schweren Schicksalsschläge. Die, die so tief treffen und so schmerzhaft sind, dass wir glauben, daran zu zerbrechen. Ich weiß, dass es nicht immer „fair“ ist, was passiert. Und trotzdem möchte ich daran glauben, dass es mehr gibt, als uns. Man mag es nennen wie man will und wer das anders sieht, darf das gerne tun. Ich bezweifle, dass irgendjemand auf dieser Welt zu 100% „recht“ hat und am Ende laufen wir sowieso vollkommen blind durch die Welt und versuchen uns zu orientieren. Ich nutze dieses Bild für mich, weil es mir Hoffnung schenkt. Dass das, was passiert nicht Willkür ist. Dass da vielleicht ein größerer Plan ist. Es hilft mir, einen Weg aus dem Schmerz zu finden und das zu finden, was mir die Erfahrung schenkt. Denn für mich ist da immer etwas. Und sei es nur das Wissen – nächstes Mal achte ich besser auf mein Gefühl. Ich bleibe bewusst bei harmlosen Beispielen – nächstes Mal, wenn ich einen schlechten Tag habe und zu Hause bleiben will, gehe ich nicht raus und verstauche mir den Knöchel. Nächstes Mal, wenn ich mir denke „puh, Autobahn will ich mir heute nicht antun“, höre ich auf mich – und stehe hoffentlich nicht im Stau.
Liebe wertet nicht
Ich bin ein wenig abgeschweift – zurück zum Ursprung. Wenn ich höre, dass Gott mich verlässt, wenn ich nicht „brav“ genug bin und ihn machen lasse. Dann reproduziert das für mich all das, was ich nicht in meinem Leben will. Drama, Bewertung, ein „ich muss mich richtig verhalten, sonst ist alles vorbei“. Und ich weiß, dass es leicht überspitzt dahin gesagt ist, um aufzuwecken. Ich weiß, es ist liebevoll gemeint und soll zeigen, dass wir alle üben dürfen, in die Wunder zu vertrauen, die das Leben uns schenkt. Aber ich glaube, da ist Luft nach oben. Ich glaube, wir dürfen bei Thesen anderer Menschen hinsehen und sagen „hm, ich weiß was gemeint ist – und ich sehe das anders.“ Und dann sollten wir erforschen, warum das so ist. Was stört uns daran? Ist es die Aussage an sich? Ist es das, was es in uns auslöst? Oder ist es einfach nicht das, was wir glauben wollen?
Bedingungslose Liebe
Ich sehe Gott als liebenden Elternteil. Und wir sind die Kinder. Die, die gerade lernen zu laufen. Und Gott daneben, der zusieht und lächelt, wenn wir fallen. Uns auffängt, tröstet und hält. Die unerschütterliche und vollkommen bedingungslose Liebe. Die weiß „oh, das ist keine gute Idee“ und trotzdem sagt „ja, wenn du fühlst, das ist richtig, mach es. Ich bin da, wenn du mich brauchst.“ Und die dann, wenn alles schief läuft, kommt und Hoffnung schenkt. Und manchmal ist Gott in der Freundin, die zuhört und fragt „Okay, soll ich Kaffee und Eis oder eine Schaufel mitbringen?“ und uns damit zum Lachen bringt. Manchmal ist Gott in einem Video, Beitrag oder Flyer, der uns erinnert – wir sind nicht alleine. Und manchmal ist Gott im Lachen eines Kindes, das uns berührt und zeigt, wofür es sich lohnt zu leben. Für mich ist Gott kein Wesen. Niemand der ein Urteil fällt und uns bestraft, indem er geht. Gott ist für mich Liebe. Und Liebe zeigt sich auf so viele Arten und Weisen, dass ich sie nicht alle aufzählen kann. In den kleinen und großen Momenten, die uns berühren und die uns zeigen, dass das Leben nicht nur Tiefen sondern auch Höhen hat. Ruhige Momente, voller Glück, Zufriedenheit, Wärme, Verbundenheit und Liebe. Denn das größte Wunder, das ist die Liebe, die nicht urteilt. Die da ist und bleibt. Nicht weil wir perfekt sind, sondern weil wir es wert sind – wir alle.


